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Fossilien im Einsatz

Es ist ungewöhnlich, dass ein Gymnasium eine Fossiliensammlung besitzt, zumal eine derart umfangreiche wie die Sammlung "Eric Bonn". So stellen sich zwei Fragen: Wie kommt eine Schule an eine Privatsammlung? Und: Welche Aufgaben kann eine Fossiliensammlung im Schulbetrieb erfüllen?
Eric Bonn aus Troisdorf sammelt seit etwa acht Jahren Fossilien. In dieser relativ kurzen Zeitspanne ist der Umfang seiner Sammlung aufgrund seiner passionierten Sammlerleidenschaft so groß geworden, dass die häuslichen Verhältnisse für die Unterbringung kaum noch ausreichten. Aber weniger der Platzmangel als der Wunsch, seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, haben Eric Bonn dazu veranlasst, sich in dieser Absicht an die Stadt Troisdorf, zu wenden. Der entscheidende Gedanke war jedoch, die Sammlung nicht nur museal auszustellen, sondern sie in einer Schule zum Thema eines objektbezogenen Unterrichts zu machen.
Dank gilt der Stadt Troisdorf, die die nötigen Mittel für die Unterbringung der Sammlung in einem Magazin und ihre Präsentation in Glasvitrinen zur Verfügung stellte. Allerdings muss die Lagerung auf Zuwachs angelegt sein, denn Eric Bonn fahrt mehrmals Im Jahr zu verschiedenen Fundstellen, um selbst Fossilien aufzuspüren. Zudem unterhält er Kontakte zu Sammlern im In- und Ausland. All dies ist um so mehr zu bewundern, wenn man weiß, dass Eric Bonn, Behinderter ist.
In der Sammlung sind Fundstücke aus fast allen Erdzeitaltern vertreten. Hervorzuheben sind die nicht häufig anzutreffenden pflanzlichen Fossilien aus dem Karbon und die reichhaltig vertretenen Funde von Säugetieren.
Bedeutet eine solche Sammlung nun präparieren, konservieren, katalogisieren ... abstauben? Die Biologie als sinnige Betrachtung der Natur, versteinerter Natur? Eine beschreibende Naturkunde, in der auch noch alles mit lateinischen Namen versehen wird?
Nein, diese Biologie haben wir doch durch aktuelle Probleme der Ökologie, Gentechnologie oder Immunbiologie verdrängt!
Gerade weil die eben genannten Teilbereiche in den Unterrichtsreihen eine sehr dominante Rolle spielen, ist es wichtig, den Schülern zu zeigen, dass neben dem vorwiegend experimentellen Ansatz der modernen Biologie auch andere Methoden zur Lösung biologischer Probleme angewendet werden. Zudem unterläge man einem großen Irrtum, wenn man die Paläontologie als „unmoderne" Wissenschaft ansehen würde. Ein Blick in einige populärwissenschaftliche Zeitschriften zeigt, dass die Paläontologie hochaktuelle Themen anspricht und auch mit modernsten biochemischen und biophysikalischen Methoden arbeitet. Die Paläontologie ist eine Teildisziplin der Biologie, sie steht über die historische Geologie natürlich auch mit dem Fach Erdkunde in Verbindung. Die Fossilien geben uns die Möglichkeit, die stammesgeschichtliche Entwicklung von Pflanzen, Tieren und letztlich auch des Menschen zu verfolgen.
In der Sekundarstufe I ist die Paläontologie in den Unterrichtsinhalten nur punktuell vertreten. Allerdings übt die Erforschung der Lebewesen der Vorzeit vor allem auf junge Menschen immer eine besondere Faszination aus. Eine Versteinerung in der Hand zu halten und sich vorzustellen, dass dies der Rest eines Tieres ist, das vor 300 Mill. Jahren gelebt hat, löst nicht nur staunendes Bewundern aus, sondern auch Interesse an der Geschichte des Lebens auf der Erde. Diesem Interesse in Arbeitsgemeinschaften nachzukommen, bietet gerade unsere Schule als Ganztagsgymnasium vielfältige Möglichkeiten. Einsichten in Methoden der Präparation, Konservierung und Altersbestimmung oder der Palökologie und Paläobiographie könnten hier erarbeitet werden. Ein fächerübergreifender Arbeitsansatz liegt auf der Hand.
Fossilien sind Belege und Indizien für die sicher noch sehr lückenhafte Kenntnis, die wir heute von der Entwicklung der Formenvielfalt und von den Ursachen der Lebensentwicklung haben. Letzteres ist vor allem Thema der Evolutionsbiologie in der 13. Jahrgangsstufe. Bei morphologisch-anatomischen Untersuchungen zum Zwecke der systematischen Einordnung, bei der Analyse von Stammbäumen oder beim Vergleich mit rezenten Arten ist es von unschätzbarem Vorteil, direkt vom fossilen Objekt ausgehen zu können.
Dass die Arbeit mit Versteinerungen eine stark motivierende Wirkung hat, konnte bei einer Gruppe von Schülern verschiedener Altersstufen beobachtet werden, die während der letzten Projektwoche an unserer Schule Fossilien aus der Sammlung von Eric Bonn präpariert, bestimmt und in einer kleinen Ausstellung präsentiert hat. Ein Besuch im Paläontologischen Institut der Universität Bonn gab den Schülern zusätzliche Informationen und einen Einblick in die wissenschaftliche Arbeitswelt. Dieser Kontakt wirkt sich inzwischen auch dahingehend aus, dass Mitarbeiter des Instituts Fossilien aus der Sammlung von Eric Bonn für wissenschaftliche Untersuchungen verwenden.
Es bleibt zu wünschen, dass die interessierte Öffentlichkeit auch über diese Festschrift von der Existenz dieser interessanten Fossiliensammlung im Gymnasium Sieglar erfährt.

Dr. Rainer Marx